Raym Clemen
De Raym an seng Kees, ëmmer am Doppelpack! Weider historesch Fotoe vum Raym, passend zum Artikel fann der am PDF Dokument am Anhang.

Raym Clemen

Raym CLEMEN (21.09.1946 – 25.09.2020)        

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Als Clemen’s Raym Mitte der 60er Jahre seine Fußballerkarriere bei „Union Luxemburg“ aufnahm, war in Frankreich gerade der Stern von AS St Étienne aufgegangen. Die „Grünen“ wurden 1964 erstmals französischer Fußballmeister, und das als Aufsteiger, und während der folgenden 10 Jahre waren sie das Aushängeschild des „Hexagones“ auf der europäischen Fußball-Bühne.

Die Referenz an das fußballerische Zeitgeschehen in unserem südlichen Nachbarland kommt nicht von ungefähr. Raym, der bereits 19 war, als er bei den Verlorenkostern 1965 seine erste Lizenz unterschrieb, war ein Anhänger  französischer, künstlerisch geprägter Fußball-Philosophie, seine Vorbilder waren technisch begnadete Spielgestalter wie Henri Michel und Michel Platini.

Rayms Eltern hatten darauf bestanden, dass der fußball-besessene Filius zunächst den Erwerb seines Premières-Diploms am Echternacher Lycée Classique in den Vordergrund stellte, bevor er in einem Verein seiner Leidenschaft nachging. Bei der „Union“ kam er zunächst in deren Junioren-Team zum Einsatz, während er in Lüttich an der Uni seine Informatiker-Ausbildung absolvierte. Nach einem kurzzeitigen Abstecher zum FC Rapid Neudorf ging Raym nach Abschluss seines Studiums zur „Union“ zurück. In deren Reihen erlebte er am 19. August 1971 seine Apotheose, vor 18.000 Zuschauern im  ruhmreichen „Estadio de Mestalla“. Im „Luxemburger Wort“ wurde der Genie-Streich des Mannes auf der linken Außenbahn der Hauptstädter im Europapokal-Spiel beim FC Valencia folgendermaßen geschildert, es lief die 16. Spielminute: „Ein aufrücken-der Verteidiger drehte einen Bogenball in den spanischen Strafraum. Clemen stand parat, zeigte kaltes Blut und hob das Leder über Abelardo hinweg in die Netze, dies mit einem Linksschuss, der zwar nach Zeitlupe aussah, aber auch nach Massarbeit“.

Ein typischer Treffer à la Clemen’s Raym, der bei der Analyse von Spielszenen nach einer Partie immer wieder die Frage aufwarf, wieso dieser oder jener Mitspieler es einmal mehr unüberlegt mit der Brechstange versucht hatte. Wo doch ein überlegter, präziser Flachschuss, ein Schlenzer, vielleicht gar ein Lupfer, eine „Pichenette“, weitaus erfolgver-sprechender gewesen wären. Cleverness, Kaltschnäutzigkeit und Präzision, das waren die Marken-zeichen des Fußballers Clemen.

1972 stieß Raym zum FC Koerich und hatte demnach die zweifelhafte Ehre, die letzten Jahre der Rotschwarzen auf dem berüchtigten Spielplatz in Windhof noch mitzuerleben. Außerdem zog er sich gleich in seiner ersten Saison eine schlimme Knieverletzung zu, die ihm  während seiner restlichen Karriere immer wieder zu schaffen machen sollte. Doch es war eine Zeit des Aufbruchs innerhalb des Vereins, in dem sich  Ende der 60er Jahre eine junge Garde mit großen Talenten wie Carlo Weibel, Aly Thill, Marcel Thill und Jeannot Cornelius profilierte, die in den folgenden Jahren in die 1. Mannschaft aufrückte. 1972-73 belegte der gerade aus der 3. Division aufgestiegene FC Koerich einen beachtlichen 4. Rang, trotz der widrigen Bedingungen auf ihrer Spielstätte. Über den „Acker“ in Windhof schrieb damals der hauseigene Chronist Jang Altzinger, der dort selbst über Jahre die Fußballschuhe schnürte: „Die Spiel-ausfälle häuften sich, an normale Trainingsbedingungen war nicht mehr zu denken. Ein anliegendes Depot der Ponts & Chaussées, ,Marktplatz‘ genannt, notdürftig erhellt durch die Straßenbeleuchtung, wurde zum Trainingsgelände.“ Trotzdem spielte das Team um Spieler-Trainer Jean-Marie Nürenberg lange Zeit mit um den Aufstieg.

1976, in der ersten Spielzeit auf dem „Déckebierg“, gelang dann der ersehnte Sprung in die 1. Division mit Clemen’s Raym auf dem Höhepunkt seiner Fußballerkarriere. Obwohl sie  Ende der 70er Jahre einmal mehr auf zahlreiche Talente aus dem eigenen  Nachwuchs (wie Carlo Portzenem, Max und Jeannot Weibel, Alain und Nico Agosta) zurückgreifen konnten, stiegen die Koericher allerdings 4 Jahre später wieder in die 2. Division ab. In den 80er Jahren blieb Raym unter den Trainern Roland Kalté und „Spitz“ Martin eine feste Größe in der 1. Mannschaft, auch nachdem er die 40 bereits überschritten hatte.

Als er Ende der 80er Jahre seine aktive Laufbahn zunehmend in die Reserve-Mannschaft und das Veteranenteam verlegte, hatte Raym seine zweite Karriere bereits eingeläutet: die des Schatzmeisters, für die er als Sparkassenangestellter die besten Empfehlungen mitbrachte. Da er als Informatiker selbstver-ständlich auch dafür sorgte, dass die Buchführung der FCK-Finanzen auf den neuesten technischen Stand gebracht wurden, brauchte man sich fortan um die Konten des Koericher Fußballs kaum mehr Sorgen zu machen. Jede Saison, wenn die eingehenden Transfers im Vorstand auf der Tagesordnung standen, war die warnende Stimme des Tresoriers, der ansonsten alles andere als ein Lautsprecher war, deutlich zu hören.

2007 war Clemen’s Raym einer der Aktivposten des einberufenen Organisationskomitees zum Begehen des 75jährigen Jubiläums seines Vereins. Unter seiner Federführung kam ein ansehnlicher Spendenpool zustande, der die Organisation eines vielseitigen Programms aus sportlichen und sozio-kulturellen Manifestationen ermöglichte. Mit 2 unvergessenen Highlights: dem Auftritt der A-Nationalelf gegen den belgischen Erstligisten Germinal Beerschot Antwerpen und einem Gedenkabend an den wohl renommiertesten Sohn des Koericher Fußballs, den Kabarettisten Pir Kremer.

Clemen’s Raym, der Filigrantechniker und Ballästhet auf dem Fußballplatz, war ein Mann der leisen Töne, der indes auch die ernsthaftesten Gespräche gerne mit witzigen Einwürfen auflockerte. Dieser subtile, trockene Humor, gepaart mit seiner angeborenen Bescheidenheit, prägten seine Umgangsformen. Neben seinem Hang zum Fußball kultivierte er im Privaten auch künstlerische Interessen, für Kabarett und Theater und natürlich den Chorgesang, die Leidenschaft seiner Lebensgefährtin „Ditz“. Nicht zuletzt war Raym aber auch durch und durch ein Familien-mensch, abseits der feuchtfröhlichen Anlässe des Vereinslebens. Mit seiner sachlichen, unspektakulären Art kam er einem manchmal wie aus einer anderen Zeit gefallen vor. So gesehen wirkt sein Abgang für seine Angehörigen, ebenso wie für seinen Freundeskreis, umso stärker nach.
                                                                                                                 
frm


E grousse Merci dem Fränz Mees fir dëse flotten Artikel.